Was ich “im Mittelalter” mache.

Hi, ich bin Anna. Zumindest ist das “im Mittelalter” mein Name. Der gute Mensch an meiner Seite ist Agilmar. Wir sind seit Längerem in der SCA aktiv, das ist eine weltweit organisierte “Mittelaltergruppe”.

Warum ich “Mittelalter” die ganze Zeit in Tüddelchen schreibe, hat natürlich einen Grund. Das “Mittelalter”, das alle so auf “Mittelaltermärkten” und in diversen webshops verkauft bekommen, gibt es so nämlich nicht. Statt dessen gibt es verschiedene Arten von Mittelalter (Spätmittelalter, Hochmittelalter, Frühmittelalter) und das, was Agilmar und ich machen, ist eher RenaissanceReenactment. Wenn mich jetzt aber jemand fragt, was machst du so in deiner Freizeit? und ich antworte “Renaissance-Reenactment”, dann gibt es meist große verständnislose Augen.

Agilmar und ich haben verschiedene Ansätze, meiner fängt mit einer Episode auf diesem Markt an: Wallerstein Burgfest. Das Fest war ausgeschrieben als Landsknechtsmarkt. Ich habe es mit zwei Freunden besucht, die ebenfalls Landsknecht-/bzw. Renaissance-Reenactment machen. Wir waren – bis auf eine Händlerin in perfektem Wikingergarb (Garb ist der SCA-Begriff für “Gewandung” oder auch “Kostüm”, ich bevorzuge inzwischen den schwäbischen Begriff “Häs“) besser und authentischer angezogen als alle Darsteller.

Als ich mit ein paar Frauen eines Lagers in dieser Kleidung zusammensaß und so dezent wie möglich fragte, warum denn a) keine der Frauen eine Kopfbedeckung auf hätte und b) die meisten Frauen kein Kleid an hatten, sondern Hosen, sagte eine der Darstellerinnen sinngemäß: “Du hast so tolle Sachen an, du stellst bestimmt eine Adelige dar, das ist bestimmt schwierig zu nähen”. Meine Antwort war sinngemäß: “Das ist eine mit simplicol gefärbte Militärdecke für 15 Euro, ein Rechteck als Rock und ja, das Schnittmuster fürs Oberteil muß man mit Klebeband am Körper anzeichnen, aber schwierig ist das alles nicht und adelig bin ich auf keinen Fall, dafür ist das Kleid so schlicht wie nur irgendwas.”

Weiterhin habe ich eine Freundin, die ab und an mal auf den Mittelaltermarkt gehen möchte, aber keinen Bock hat, viel Arbeit in ein Kostüm zu investieren.

Und das ist es, was ich mit einigen Artikeln in diesem Blog möchte: Zeigen, was authentisch ist und was eher nicht, welche Quellen hilfreich sind, in welchen webshops man was kaufen kann, wie man einfache Sachen näht und trotzdem gut aussieht, … im Großen und Ganzen: worauf man achten sollte, wenn man “reasonably close”, also halbwegs echt bei Mittelalter- und Renaissanceveranstaltungen rumlaufen möchte. Wer darüber hinaus noch “echtes” Reenactment machen möchte, z.B. alles mit der Hand nähen, Wolle und Leinen statt Baumwolle nehmen – sehr gerne, nur zu!

5 thoughts on “Was ich “im Mittelalter” mache.

  1. Ich hab mir die Website der Drachenfelser jetzt auch mal angesehen. Was mich da wirklich abgeschreckt hat, waren zuerst die vielen Rechtschreibfehler: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es keine Entschuldigung mehr, keinen Spellchecker zu verwenden, und das ist einfach eine Schlampigkeit, die IMHO von einer Missachtung der Leser zeugt.

    Das bemühte Marktsprech (“Seyed gegrüßt, Wanderer…”) fand ich arg kitschig. Das kenne ich von zweitklassigen Ramschverkäufern aufm Mittelaltermarkt; und das erhöht mein Vertrauen in eure Authentizität nicht gerade.

    Die Bilder sind leider zu klein, als dass man irgendwas anderes als den Schimmer von Kettenhemden erkennen könnte. Das mit dem 1&1-Baukasten will ich nicht gelten lassen, denn es geht auch anders.

    Über die Gruppe als solche mag ich mir aufgrund der Website kein Urteil erlauben. Soweit ich mich an Ebermannstadt erinnere, kam sie mir aber auch als halt “eine von vielen” vor, und schon gar nicht mit besonders authentischem Anspruch.

    Elmar/Agilmar

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  2. Hallo Jörg,
    danke fürs “Ertragen” der Kritik zunächst mal! Die Seite und mein erster Eindruck:
    Nettes Layout. Ist zusammengebastelt, aber das wird ja auch extra erwähnt, was ich gut finde.
    “EY” geht gar nicht. Also seyed uns willkommen auf den Seyten. Da hab ich immer das Bedürfnis, sofort wegzuklicken. Noch besser sind dann nur noch Dinge wie das fröhliche Händegeklapper zarter Jungfräueleins. Autsch, autsch, autsch. Gab es nicht damals, so einen Marktsprech. Weglassen, mittelhochdeutsch schreiben oder latein. Oder ganz einfach hochdeutsch. Ist erlaubt.
    1240 als Zahlenangabe ist gut, da hat man was, um sich dran zu orientieren.
    “Wir über uns”: nix dran auszusetzen, schön geschrieben und vor allem wieder mal ehrlich (Unsere Termine sind nicht so zahlreich …) Finde ich gut.
    Mitglieder: Finde ich immer gut, wenn Bilder zu sehen sind, sieht schön aus. Aber: “Kreuzfahrerin, Schreiberin, Handwerkerin”? Gab es sowas? Also eine nachgewiesene Schreiberin im 13. Jh.? Wie gesagt, 13. Jh. ist nicht meine Zeit, ich müßte auch erst recherchieren. Wenn ihr es rausfindet, schreibt es doch einfach mit auf die Seite, wäre sicher interessant zu wissen.
    Termin: Ach, schade, an dem WE, an dem ihr im GNM seid, bin ich leider weg 😦
    Kontakt, Impressum, Geschichtliches: fein.
    Bilder: leider viel zu klein, schade. Eine Bildergalerie wäre toll. Zu den Männerklamotten müssen sich andere auslassen, da kenn ich mich nun nur schlecht aus, aber das Frauenkleid ist ein Markt-typisches Frontschnürungskleid, wenn ich das richtig sehe. Und das gab es m.E. nicht. Hab ich jedenfalls noch in keiner Quelle gesehen und gibt bei mir auch sofort Punktabzug für die entsprechende Gruppe. Eine wunderbare Quelle zum 13. Jahrhundert ist hierzu folgende Gruppe, auf deren Internetseite ich auch gerne einfach so stöbere: http://tempora-nostra.de/mode_gewandformen_2_ueberkleid.shtml und natürlich auch alle weiteren Unterseiten. Gute Quellen, gute Rekonstruktionen und eine gute Möglichkeit, seine eigene Darstellung zu hinterfragen. Alternativ kann man auch hier schauen, ob das Aussehen paßt: http://en.wikipedia.org/wiki/1200%E2%80%931300_in_fashion
    Sorry, dass das so lange gedauert hat, aber ich wollte mir etwas Zeit für die Antwort nehmen,
    Anna

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  3. Ja Hallo Anna,
    danke für die rasche Antwort. Nun ja-Du hast das recht zu schreiben was Du möchtest aber es lesen eben auch andere und man muß sich seiner Verantwortung als “Kritiker” auch bewusst sein aber immer hin danke für’s ehrliche Wort.
    Schau doch mal auf unserer HP vorbei und sag dann mal was Du davon hältst.
    Und: wir hatten am besagten und so “verhängnissvollen” Sonntag tatsächlich eine Gruppe jugentlicher zu Besuch ins Lager eingelassen weil wir eben den Besuchern das “Mittelalter” so nahe bringen wollen wie möglich und es kann auch gewesen sein, das wir mal etwas Essen waren weil wenn man den ganzen Tag für die Besucher da ist, Schaukampf, Lagerleben macht und deren Fragen in Massen beantwortet auch an den “Kräften” geht.
    Servus auf Ebermannstadt Jörg

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  4. Hallo Jörg,
    es geht um diesen Artikel, richtig? http://mittenmank.wordpress.com/2009/06/21/ruckschau-ebermannstadt-historischer-markt/
    Also zum einen ist das hier im Blog meine persönliche Meinung ohne Anspruch auf Richtigkeit.
    Zum zweiten muß ich nicht jede Gruppe, deren Auftritt mir nicht gefällt, drauf ansprechen – ich bin ja nicht dafür verantwortlich, eure Qualität meinen Ansprüchen anzupassen und ihr müßt auch nicht von euch aus alle Marktbesucher glücklich machen. Es darf auch Kritiker geben ;).
    Zum dritten ist das, was ich geschrieben habe: “Sah ein bischen aus wie Jugendliche, die Fasching feiern wollten.” mein erster (und zweiter) Eindruck gewesen. Vielleicht habt ihr gerade jugendliche Besucher gehabt und die guten Kostüme waren nicht zu sehen oder meine Ansprüche sind zu hoch oder, oder, oder.
    Und zum vierten bemängele ich in meinem Artikel hauptsächlich die Tatsache, dass solche ersten und zweiten Eindrücke bei anderen Marktbesuchern zu einem falschen Mittelalterbild führen, das oft schwer aus den Köpfen herauszubekommen ist.
    Zu guter Letzt schaue ich mir euch auch gerne nochmal an und setze mich mit dir auf ein Wasser oder einen Wein zusammen – sagt ja keiner, dass ich immer Recht habe. 😉
    Anna

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  5. Hallo,
    ich habe da den “Bericht” über uns des letzten Jahres gelesen und finde es so leider nicht gut. Frage: Warst Du nur kurz bei unseren Lager so im vorbeischauen? Wir haben nämlich keine “Gruppe von Jugendlichen” bei uns in der Gruppe und im übrigen finde ich das was da geschrieben wurde nicht ganz zutreffend und schlecht rechergiert. Wenn Dir das was Du gesehen hast nicht gefallen hat, warum hast Du niemanden darauf angesprochen? Mann kann sich ja austauschen und so aber einfach mal kurz hinschauen, wieder gehen und dann so was schreiben ist nicht ganz richtig, ober?
    Mit freundlichen Grüßen Jörg Seeberger

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