Meine Variante des Rezepts habe ich via Abemvs Incena  gefunden.

De agri cultura (Über den Ackerbau), das Buch, in dem das Rezept für Savillum erwähnt wird, ist das älteste erhaltene Prosawerk in lateinischer Sprache. Es wurde etwa 150 v. Chr. von Marcus Porcius Cato dem Älteren, gen. Cato maior, verfasst.

Wie immer schön zum weiterlesen: der Blog “Pass the Flamingo“.

Das Originalrezept, soweit es uns bekannt ist:

Klügere Leute als ich haben das bereits übersetzt, interessant hier scheint zu sein, dass die Striche in Zeile 2 für “1/4” stehen, in diesem Fall 1/4 Honig.

Lacus Curtius zum Beispiel übersetzt das Rezept auf englisch und hier wäre dann das Ganze von dort auf deutsch übersetzt:

Nehmen Sie ½ Pfund Mehl, 2½ Pfund Käse und mischen Sie diese wie für Libum; fügen Sie ¼ Pfund Honig und 1 Ei hinzu. Eine Tonschüssel mit Öl einfetten. Wenn Sie alles gut vermischt haben, gießen Sie es in eine Schüssel und decken es mit einem Topf zu. Achten Sie darauf, dass Sie die Mitte gut durchbacken, denn dort ist es am tiefsten. Wenn es gar ist, nehmen Sie die Schale heraus, bedecken Sie (das Gericht) mit Honig, bestreuen Sie es mit Mohn, stellen Sie es wieder eine Weile unter den Topf und nehmen Sie es dann vom Feuer. In der Schüssel mit einem Löffel servieren.

Hier ist eine weitere Variante, mit der obigen, anderen Mehl/Käse Ratio.

Interessant ist, dass es je nach Standort und Zeit im römischen Reich unterschiedliche Mengen gab. Also ein bisschen so, wie wenn man das Rezept der Oma findet, die von “ein Becher Sahne” schreibt, und man erstmal versuchen muss, herauszufinden, wie groß ein Becher Sahne denn zu ihrer Zeit, an ihrem Ort war.

Ein bisschen was zum Thema Zucker (passt grad gut, da das Rezept Honig verwendet, wie so gut wie alle Rezepte des römischen Reichs, die uns bekannt sind):

Um 350 n. Chr. fanden indische Wissenschaftler heraus, wie man Rohrzucker zu Würfelzucker und damit zu Handelsgut wandeln konnte, und damit begann der Siegeszug des Zuckers entlang der Seidenstraße nach Osten und Westen. Zur gleichen Zeit wurde in China bereits Zucker anstelle von Honig verwendet. Aber bereits zuvor war Zucker der römischen Welt bekannt.

Es gibt Aufzeichnungen über das Wissen über Zucker bei den alten Griechen und Römern, aber nur als importierte Medizin und nicht als Nahrungsmittel. So schrieb zum Beispiel der griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert (n. Chr.): “Es gibt eine Art von zusammengewachsenem Honig namens Sakcharon [d.h. Zucker], der im Schilf in Indien und Eudaimon-Arabien [d.h. Jemen] gefunden wurde, der in seiner Konsistenz dem Salz ähnelt und spröde genug ist, um wie Salz zwischen den Zähnen zerbrochen zu werden. Er ist gut in Wasser aufgelöst für Darm und Magen und [kann] als Getränk eingenommen werden, um Blasen- und Nierenschmerzen zu lindern”.

Die Naturalis historia (auch Historia naturalis, deutsch „Naturforschung“ oder „Naturgeschichte“) ist eine Enzyklopädie in lateinischer Sprache des römischen Historikers und Schriftstellers Gaius Plinius Secundus (Plinius der Ältere). Sie ist um 77 n. Chr. entstanden und behandelt Themen, die man heutzutage vor allem den Naturwissenschaften zuordnen würde, aber auch Medizin, Geographie, Kunst und weitere Themen. Es handelt sich um die älteste vollständig überlieferte systematische Enzyklopädie.

Plinius schreibt im Buch Liber XII (Arborum naturae), Absatz 17: “Saccaron et Arabia fert, sed laudatius India. est autem mel in harundinibus collectum, cummium modo candidum, dentibus fragile, amplissimum nucis abellanae magnitudine, ad medicinae tantum usum.

Johann Daniel Denso übersetzte 1764 den Plinius Absatz zum Thema Zucker wie folgt:

Kurz gesagt: Zucker (Saccaron) wird auch in Arabien hergestellt, aber indischer Zucker ist besser. Es handelt sich um eine Art Honig aus Zuckerrohr, weiß wie Gummi, und er knirscht zwischen den Zähnen. Er kommt in haselnussgroßen Klumpen. Zucker wird nur für medizinische Zwecke verwendet. 

Wer ganz wild drauf ist (und englisch spricht), kann sich hier noch was zum Thema “Zucker in alter Zeit” von William Falconer aus dem “The Edinburgh magazine, or Literary miscellany” (um 1796) durchlesen. Seite 412 im Original, 256 in der online Version.

Interessant hier ist vielleicht die Erwähnung von Galen (den geneigte Leser des Blogs aus meinen Experimenten zum Thema Kosmetik kennen mögen, und der im 2. Jh. n.Chr. lebte).

Galen appears to have been well acquainted with sugar, which he describes, nearly as Dioscorides had done, as a kind of honey, called sacchar, that came from India and Arabia Felix, and concreted in reeds. He describes it as less sweet than honey, but of similar qualities, as detergent, desiccative, and digerent (diggestive). He remarks a difference, however, in that sugar is not, like honey, injurious to the stomach, or productive of thirst. If the third book of Galen, “Upon medicines that may be easily procured” be genuine, we have reason to think sugar could not be a scarce article, as it is there repeatedly prescribed.

Deutsch: “Galen scheint mit Zucker gut vertraut gewesen zu sein, den er, fast wie Dioskurides es getan hatte, als eine Art von Honig beschreibt, den man Sacchar nennt, der aus Indien und Arabien kam und in Rohr gegossen wurde. Er beschreibt ihn als weniger süß als Honig, aber mit ähnlichen Eigenschaften, als Waschmittel, Trocknungsmittel und Digerent (Verdauungsmittel). Er weist jedoch auf einen Unterschied hin, der darin besteht, dass Zucker nicht, wie Honig, für den Magen schädlich oder dursterregend ist. Wenn das dritte Buch von Galen, “Über Medikamente, die leicht zu beschaffen sind”, echt ist, haben wir Grund zu der Annahme, dass Zucker kein Mangelartikel sein könnte, da er dort wiederholt verschrieben wird.

Hier ist noch was Interessantes (ah, die Buchsuche bei Google ist gefährlich).

Zu guter Letzt habe ich beim ganzen Lesen noch ein neues Buch gefunden. Mal gucken, ob ich es mir zulege.

Und wer das Ganze lieber als Video mag (und englisch spricht), kann sich hier noch weiter umsehen:

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