Kopfbedeckungen

Ich mag Kopfbedeckungen. Ich mag Hüte, Mützen, Kappen, Turbane und Schleier.

Ausgerechnet in dem Bereich, auf den ich mich fokussiere, 5. Jahrhundert Norditalien/Süddeutschland/Adria, ist es aber ziemlich schwierig, überhaupt was zum Thema zu finden. Hier eine Auswahl von Abbildungen:

Also vorne hoch, hinten aufgeräumt – ein bisschen wie eine Mischung aus Jugendstil, Belle Epoque und Captain Janeway.

Dann habe ich mich ein wenig weiter umgesehen und bin auf diese Sprang Kappe aufmerksam gemacht geworden.

Rote Wolle. 2. – frühes 4. Jahrhundert. 24 cm lang, 30 cm breit.

In dem Zusammenhang auch diese Kappe:

Hut, 3.-5. Jahrhundert oder später, Ägypten, Akhmim (früher Panopolis) zugeschrieben
Wolle; Sprangtechnik. Der Hut, in der Grundform ähnlich dem roten Hut ist im Oberkopfbereich eng geschnürt.

Die rote Kappe (25.3.217a) und die (nicht gezeigten) beiden braunen Kappen (25.3.217b und c), die übereinander auf dem Kopf einer Frau in einer von der Ägyptischen Museumsexpedition ausgegrabenen und dokumentierten Bestattung aus der Römerzeit gefunden wurden, sind seltene datierbare Beispiele für Kopfbedeckungen. Zugbänder dienten dazu, die rote Kappe über zwei Lagen Stoff zu spannen, von denen eine (25.3.218) um den Kopf der Mumie gewickelt war.

Met Museum Page

Das Metropolitan Museum ist übrigens derart toll, dass es nicht nur Bilder anzeigt, sondern auch Literatur. Das Buch „Textiles of Late Antiquity“ kann man sich, da es nicht mehr im Druck ist, entweder als pdf herunterladen oder online lesen: https://www.metmuseum.org/art/metpublications/Textiles_of_Late_Antiquity

Ich habe mal gesprangt, aber ehrlich gesagt, nicht wirklich Lust, jetzt wieder damit anzufangen ….

Aber nun wird es interessant. Ein Bild weiter im Met Museum landen wir nämlich hier bei dieser Kinderkopfbedeckung:

Kopfschmuck vom Kopf einer Mumie eines Kindes. 2. – frühes 4. Jahrhundert. Gelbes Leinen, braune Wolle. 67 cm lang, 25 cm breit. Aus Ägypten; soll aus dem nördlichen Oberägypten, Akhmim (Khemmis, Panopolis) stammen.

Das sieht für mich aus, als wäre es als Ganzes gesprangt worden und dann im Folgenden, also im Nacken (?) ausgephast worden in zwei Schwänze, die dazu benutzt werden können, einen Turban zu wickeln. Im Nacken, an der Übergangsstelle zu den Schwänzen, dann noch eine Verstärkung, ggf. für ein Bindeband.

Wie ich darauf komme? Ganz einfach, weil beim weiteren Suchen dieser Blogeintrag zu einer ähnlichen Kopfbedeckung auftauchte.

Turban vom Kopf einer Mumie eines Kindes, 3.-frühes 4. Jahrhundert, aus Ägypten, Oberägypten, Theben, Deir el-Bahri, Tal nördlich des Tempels der Hatschepsut, Leinennetz, 68 cm lang, 40 cm breit.

Und neben anderen tollen Dingen ist da auch diese Kopfbedeckung aus dem VAM in London im Blog zu finden und die ist ausnahmsweise mal nicht gesprangt, sondern gewebt:

Kopfschmuck, hergestellt in Ägypten (Fayum); 300-599.
Einfarbig locker gewebtes Leinen mit Querstreifen, mit violetter Wollkordel, gefranst.
Gesamtlänge: 107,5 cm
Breite: 21,1 cm
Von der Oberkante des Kopfes bis zum Schlitz im Nacken: 36,2 cm
Vom Scheitel bis zur Höhe der Wollbändchen: 22,5cm

Obwohl dieser Kopfschmuck außergewöhnlich gut erhalten ist, kann er nicht genau datiert werden. Von einer verheirateten Frau im Ägypten des ersten Jahrtausends n. Chr. wurde erwartet, dass sie ihren Kopf bedeckt, wenn sie sich im Freien aufhielt, und Funde aus vielen Grabstätten zeigen, dass feine Haarnetze und aufwändig gemusterte Mützen ein üblicher Schutz waren.
Der Kopfschmuck mit seinen langen schalartigen Enden ist so locker gewebt, dass er den Eindruck von Streifen erweckt. Das ursprüngliche rechteckige Textilstück wurde zusammengenäht und an einem kurzen Ende gerafft, damit es auf den Kopf passt. Das andere kurze Ende ist bis zum Hals geteilt und bildet zwei Laschen, die möglicherweise als Schal um den Hals dienten oder wie ein Turban um den Kopf gewickelt wurden. Die Flügel enden in einer Franseneinfassung aus den Kettfäden. Auf Kinnhöhe befinden sich Reste von violetten Wollbändern, mit denen es befestigt wurde.
Kopfbedeckung aus feinem Leinen, locker gewebt in Leinwandbindung mit Querstreifen, die Streifen sind breiter und werden zum Ende des „Schals“ hin schmaler. Die Streifen sind abwechselnd ein Streifen aus gewebtem Stoff und ein Streifen aus reinen Kettfäden (d.h. sie wurden nicht durch den Eintrag von Schußfäden verwebt). Das ursprünglich rechteckige Textilstück wurde zusammengenäht und an einem Ende gerafft, damit es auf den Kopf passt. Die Verbindungsstiche sind dekorativ ausgeführt. Das andere Ende wurde bis zum Hals geteilt, um zwei „Laschen“ zu bilden, die möglicherweise als Umschlag dienen. Die unbearbeiteten Ränder sind gerollt und handgenäht. Die „Klappen“ enden in einer Franse, die aus den Kettfäden gefertigt ist. Lila Wollbändchen in Kinnhöhe zum Binden sind noch vorhanden.
In Ägypten wurden viele Kopfbedeckungen gefunden, die aber bisher wenig untersucht wurden. Obwohl dieser Kopfschmuck außergewöhnlich gut erhalten ist, kann er nicht genau datiert werden. Seine genaue Bedeutung ist daher noch schwer zu beurteilen.Die meisten Kopfbedeckungen, die in koptischen Gräbern in Oberägypten gefunden wurden, sind in Sprang gefertigt und haben die Form eines Beutels. Sprang ist eine Methode zur Herstellung eines Textils, bei der parallele Fäden einer Kette ineinander verwoben, verflochten oder verschlungen werden, wobei benachbarte Fäden oder Gruppen von Fäden miteinander verbunden werden. Dadurch entsteht ein elastisches Textil, das auf individuelle Maße gedehnt werden kann. Im Gegensatz dazu werden bei diesem Kopfschmuck Bänder aus Leinwandbindung zwischen Bändern aus nicht verwobenen Kettfäden verwendet, um eine feste Struktur mit einer gewissen Flexibilität zu schaffen, die es ermöglicht, den Kopfschmuck über den Kopf zu dehnen. Die langen Enden an jeder Seite des Kopfes könnten um den Hals oder lose auf den Schultern getragen worden sein. Eine andere Möglichkeit ist, dass sie als Haarband/oder Netz dienten. Nach Hero Granger-Taylor (persönliche Mitteilung Anfang 2009) wäre der Kopfschmuck als Turban getragen worden.
Üblicherweise war es der Usus, dass Frauen ihren Kopf bedeckten. Zu diesem Zweck wurden einfache Schleier oder die Randstücke von Tüchern und Schals verwendet. Es gab aber auch spezielle Kopfbedeckungen in Form von Netzen, Kopftüchern oder Hauben. Die Köpfe der Frauen wurden sogar im Grab bedeckt – ebenso wie die Füße -, denn der Tod war für den Gläubigen kein Ende, sondern eine Vorbereitung auf eine neue Geburt. Daher wollten sich die Christen im Moment der Auferstehung des Körpers in ihrer schönsten Kleidung präsentieren. Manchmal wurde die Kopfbedeckung auf eine andere Art und Weise am Körper angebracht, als sie im Leben getragen worden wäre (zum Beispiel über die Augen gelegt. Oder es konnten mehrere übereinander getragen werden). Für eine hilfreiche Betrachtung, siehe Frances Pritchard. Clothing Culture: Dress in Egypt in the First Millennium AD. Manchester: Whitworth Art Gallery, 2006, Kapitel 6.

VAM Page

Das einzig blöde ist: Ich habe immer noch nicht richtig verstanden, wie das Ganze jetzt aussieht. Es gibt auch scheinbar nur das eine Foto des Schals. Hab schon Freunde aus London drauf angesetzt, vielleicht kann ja jemand ein Foto machen.

Solange bemühe ich mal meine geringfügigen Malfähigkeiten:

Also ich weiß nicht. Irgendwie hab ich nen Knoten im Gehirn. Wenn das Teil so aussieht am Ende, dann sind die Flügel doch viel zu kurz? Es hilft nichts, ich werde mal zu Stoff und Schere greifen müssen.

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