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SCA specific: Nestflüchter | leaving the nest #bilingual

english below | click here

Am letzten Wochenende fand ein Event in Turmstadt statt, das schon von längerer Hand geplant war. Jetzt konnten wir es endlich in der aktuellen Pandemie Situation sicher abhalten. Das Event hieß „Some Ting“ und war tatsächlich aus der Not geboren. Eigentlich wollten wir die 12th Night Coronation hosten, aber das ging damals nicht und wir sagten dann, wir werden „irgendetwas“ tun, eben „something“.

Wir, das ist die Wortham Priory, ein Service-Household in der SCA. Die Wortham Priory wurde ins Leben gerufen von demjenigen, der in den letzten 9 Jahren mein Mentor war, Master Æthestan of Wortham. Dieser „Mentor“ hat einen „Rang“ in der SCA, und zwar ist er ein sogenannter „Pelican“. Leute, die diesen „Rang“ haben, kümmern sich unter anderem um Serviceaspekte in der SCA, das können administrative Aufgaben sein, das Organisieren von Events oder auch die Schaffung eines Überbaus, damit „der Laden läuft“. Die Studenten eines solchen Pelicans nennt man Protegés, also die Geschützten.

Æthestan hatte bis letztes Jahr zwei Proteges, mich und Richart, welchen ich als „kleinen Bruder“ und unglaublich zielgerichteten Menschen mit Durchblick und großem Herzen sehr schätze und liebe. Eigentlich war gedacht, bei einem der letzten größeren Events im April 2020 ein weiteres Mitglied in den Household aufzunehmen, nämlich Bryndis. Bryndis ist bei uns in der Lokalgruppe Turmstadt und eine ganz großartige Person, die ich sehr schätze, die mit sehr viel Energie, Freude und auch mit, wie ich finde, dem nötigen Quäntchen Durchsetzungskraft unterwegs ist. Deshalb habe ich mich damals bereits sehr gefreut, dass sie Lust darauf hatte, Æthestans Studentin zu werden.

Jetzt lagen alle Aktivitäten ein bisschen brach und die Frage war, wann werden wir offiziell Bryndis als Protege dem Königreich und der Baronie verkünden können. Denn im Household war sie schon länger, genau wie ihr Mann Dominik, der auch eine unglaubliche Ressource ist. Und ich muss ganz ehrlich sagen, in den letzten Monaten haben wir in der Priory gemeinsam sehr viel und sehr gut zusammengearbeitet.

Am letzten Wochenende nun, während des Abendessens am Samstag, hat Æthestan uns zusammengerufen und vor versammelter Mannschaft erklärt, dass er gerne Bryndis als Protege aufnehmen möchte. Sie bekam einen gelben Gürtel überreicht, (ein gelber Gürtel ist in der SCA das Zeichen für jemanden, der mehr über Service in der SCA lernen möchte und einen Mentor hierfür hat) und an diesem gelben Gürtel befand sich noch eine Tasche – beides passend zu ihrer Wikinger Persona. Auf der von Æthestan selbst genähten Tasche ist ein Emblem für Bryndis in Form ihres Wappentieres, eines Lamms, und eine kleine Reihe von Emblemen: ihre „SCA-Familienlinie“ mit Symbolen für Æthestan, dessen Mentor, und alle diejenigen die er im Laufe seines SCA Lebens angeleitet hat, beziehungsweise im Moment noch anleitet.

Ich habe mich sehr, sehr gefreut für Bryndis und für den Household. Es ist von Æthestan auf dem Event auch noch einmal erwähnt worden, dass Dominik sich im Moment dazu entschieden hat, ein Laienbruder in der Priory zu sein, quasi ein sich im Orbit bewegender Schüler, und dass ich den Household bald verlassen werde, weil ich Ende nächsten Monats in den Stand eines Pelicans erhoben werden soll. Was dann wiederum heißt, dass ich natürlich noch zur Familie gehöre, aber eben nicht mehr zum Household. Da wird es Zeit, das Nest zu verlassen und ein eigenes aufzubauen

Ich freue mich sehr darauf. Aber, und darum ging es mir eigentlich bei diesem ganzen Blogeintrag: es war ein sehr seltsames Gefühl am Samstagabend dabei zu stehen. Ich stand ein bisschen abseits, denn ich wollte auch Bryndis ihren Moment nicht nehmen, weil ich finde, die Aufmerksamkeit gebührt im Moment ihr und sie ist wichtig. Und ich spürte, dass ich die Aufnahme ein bisschen mit Bedauern betrachtet habe. Oder vielleicht ist Wehmut passender. Weil ich mir dachte in dem Moment „Ja, jetzt bist du wirklich nicht mehr zugehörig.“

Also versteht mich nicht falsch: Nicht mehr als Householdmember der Priory anzugehören ist nicht schlimm und ich bin eher vorfreudig als todtraurig. Aber es war ein sehr, sehr seltsamer Moment, ein weiterer Stein auf dem Weg zum „erwachsen werden“. Es zu spüren, und nicht nur intellektuell zu wissen, „ich kann in diesem Nest hier nichts mehr lernen / ich muss in die Welt raus und dort mein Wissen erweitern“. Zu sagen „ich gehöre hier nicht mehr her / die Abnabelung hat nicht nur begonnen (das hat sie schon vor Monaten), sondern sie steht vor ihrem Abschluss.“

Und auch wenn ich weiß, dass meine SCA-Familie immer an meiner Seite sein wird und (vermutlich wie viele SCA-Familien) natürlich meine Familie die beste von allen ist, ist das trotzdem ein sehr eigenartiges Gefühl.

english version

Last weekend an event took place in Turmstadt that had been planned for quite some time. Now we could finally hold it safely in the current pandemic situation. The event was called „Some Ting“ and was actually born out of necessity. We were actually going to host the 12th Night Coronation, but that didn’t work out at the time and we then said we’ll do „something“, just „something“.

We, that’s Wortham Priory, a service household in the SCA. Wortham Priory was started by the one who has been my mentor for the past 9 years, Master Æthestan of Wortham. This „mentor“ has a „rank“ in the SCA, and he is what is called a „Pelican“. People who have this „rank“ take care, among other things, of service aspects in the SCA, which can be administrative tasks, organizing events, or even creating a structures so that „the lights are kept on“. The students of such a pelican are called protégés.

Until last year, Æthestan had two proteges, me and Richart, whom I appreciate and love as my „little brother“ and an unbelievably goal-oriented person with insight and a big heart. Actually, it was thought to add another member to the Household, Bryndis, at one of the last major events in April 2020. Bryndis is with us in the local group Turmstadt and a very great person whom I appreciate very much, who is underway with a lot of energy, joy and also with, as I find, the necessary bit of assertiveness. That’s why I was already very happy at that time back in spring 2020 that she said yes to becoming Æthestan’s student.

Now all activities lay a bit fallow and the question was, when will we be able to officially announce Bryndis as protege to the Kingdom and the Barony. Because in the Household she has been for quite some time, just like her husband Dominik, who is also an incredible resource. And I must say in all honesty, in the last few months we have worked together in the Priory very much and very well.

Now last weekend, during dinner on Saturday, Æthestan called us together and declared in front of the assembled team that he would like to take Bryndis as a protege. She was presented with a yellow belt, (a yellow belt in the SCA is the sign of someone who wants to learn more about service in the SCA and has a mentor for this) and on this yellow belt was also a bag – both matching her Viking persona. On the bag, sewn by Æthestan himself, is an emblem for Bryndis in the form of her heraldic animal, a lamb, and a small set of emblems: her „SCA family line“ with symbols for Æthestan, his mentor, and all those he has guided, or is currently guiding, during his SCA life.

I was very, very happy for Bryndis and for the Household. It was also mentioned again by Æthestan at the event that Dominik has decided at the moment to be a lay brother in the Priory, quasi an orbiting student, and that I will leave the Household soon, because it is planned that I will be elevated to the rank of a Pelican at the end of next month. Which means, of course, that I’m still part of the family, but no longer part of the Household. So it’s time to leave the nest and build one of my own.

I am very much looking forward to it. But, and this is really what this whole blog post was about for me: it was a very strange feeling standing there on Saturday night. I stood a bit apart, because I didn’t want to take away Bryndis‘ moment either, because I feel the attention is hers at the moment, and it’s important. And I felt I was looking at the inclusion with a bit of regret. Or maybe wistfulness (Wehmut) is more appropriate. Because I thought to myself in that moment, „Yeah, now you really don’t belong anymore.“

So don’t get me wrong: no longer belonging to the Priory as a Householdmember is not a bad thing, and I’m more excited about it than deathly sad. But it was a very, very strange moment, another stone on the road to „growing up.“ To feel it, and not just know intellectually, „I can’t learn anything anymore in this nest here / I have to go out into the world and expand my knowledge there“. To say „I don’t belong here anymore / the cutting of the cord has not only begun (it did months ago), but it is nearing its conclusion.“

And even though I know my SCA family will always be by my side, and (probably like many SCA families) of course my family is the best of all, it’s still a very strange feeling.

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