Posca

Grundwissen:
“Posca war im alten Rom und Griechenland ein beliebtes Getränk, das durch Mischen von saurem Wein oder Essig mit Wasser und aromatischen Kräutern hergestellt wurde.”

Mehr Wissen:
“Die Posca war ein nichtalkoholisches Getränk während der Zeit des Römisches Reichs. Es handelt sich um Essigwasser. Für echte Posca benötigte man Weinessig und keinen sauren Wein. Saurer Wein ist alkoholhaltig und fällt damit unter den Begriff Lora. Die Spielart aus gekipptem, sauer gewordenem Wein wurde im alten Rom allerdings trotzdem oft angewandt, um schlecht gewordene Lora noch aufzubrauchen.”

Laut Kommentar zu Apicius (Reclamausgabe):
Mischung aus Wasser und Weinessig. Wenn Römer Wein tranken, kann man davon ausgehen, dass 16-18% Alkoholgehalt Qualitätswein bedeuteten, trockener Wein nach unserem Verständnis eher halbtrocken war und verdünnt mit Eis, Wasser oder warmem Wasser getrunken wurde. Gerne auch Süß- und Würzweine (Veilchen, Minze, Anis, Fenchel, Rose…).

Laut Weeber:
Im Winter wurde calda (Glühwein) bevorzugt. Wichtig immer: verdünnt trinken, sonst war man als Säufer verschrieen – Tiberius wurde als biberius caldo mero (Säufer unvermischten Glühweins) verspottet. Wasseranteil bei 16-18%igem Wein 3:1, 2:1 oder 3:2 zu Wein.

Schöne Dinge aus dem Met Museum

Eine Anstecknadel aus dem 3./4. Jh. https://www.metmuseum.org/art/collection/search/464995

Pin, Copper alloy, glass cabochon, Late Roman

Eine schmale Brosche – Raumschiff Enterprise, anyone? 3. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/464942

Flat Brooch, Copper alloy, glass cabochon, Late Roman

Die elegante römische Variante eines Schlagrings XD, 3./4. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/257579

Gold triple-finger ring, Gold, glass, Roman, Syrian

Ein sehr schickes Armband, 3./4. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/250553

Bracelet with glass inlay, Gold, glass, Roman

Ein sehr schlichtes Armband, 2.-4.Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/251242

Bracelet, Gold, Roman

Im Gegensatz dazu ein sehr elaborates Glasarmband, 4./5. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/239930

Glass bracelet with impressed decoration, Glass, Roman

Dieses Armband aus dem Jahr 450 sieht auch sehr schick aus
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/464164

Bracelet with Bust of Roma, Gold, Byzantine

Bei dieser Kette fand ich die Doppelbelegung mit Medaillon und Amulett interessant. Ca. 450 AD.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/468545

Necklace with Gold Marriage Medallion and Hematite Amulet, Gold, hematite, Byzantine

Ein weitere sehr spannende Halskette. 3.Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/243092

Necklace with paste beads, Gold, glass paste, Roman

Schöne Ohrringe kann man nie genug haben. 2./3. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/243365

Gold and chalcedony earring, Gold, chalcedony, Roman

Ein Ohrring mit Delphin! Ist der nicht niedlich? 3.-5.Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/243437

Gold earring with glass pendant in the form of a dolphin, Gold, glass, Roman

Ein Spiegel aus dem 3. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/244125

Glass mirror with lead frame, Lead, Glass, Roman

Vielleicht der faszinierendste Fund: ein römischer Löffel aus Glas. 4. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/239898

Immer wieder gerne genommen: Karaffen in Traubenform. 3. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/249496

Glass jug in the shape of a bunch of grapes, Glass, Roman

Eine Frauenfigurine! Mit vielen Einzelbildern, lohnt sich! 5. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/453631

Figure of a Woman, Painted plaster

Diesen Ohrring fand ich von der Form her sehr spannend. 3. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/243236

Gold earring with pelta disc and pearl setting, Gold, pearl, Roman

Genau wie diesen hier, auch 3. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/243406

Gold earring with rosette disk, Gold, Roman

Außerdem gibt es noch Kopfbedeckungen. Sprang Kappe Nummer 1, 3./4. Jh..
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/443207

Cap, Wool; sprang technique

Und eine Sprangmütze, 3.-5. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/443612

Hat, Wool; sprang technique

Diese Tunika ist für mich etwas zu spät, zeigt aber gut, wie der Ausschnitt extra angebracht wurde, meine ich. ca. 680 – 880 AD.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/443660

Child's Dress, Plain weave in red wool (dyed with madder); applied borders with pattern weft in blue and red wool and undyed linen

Ein Teil eines Ärmels, 4./5. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/443788

Fragment of a Sleeve, Wool, linen; plain weave, tapestry weave

Ein Tunikarest aus dem 4. Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/443422

Fragment of a Tunic, Wool, linen; plain weave, tapestry weave

Und zum Schluß noch ein paar Schuhe, wie man sie heute mit etwas Glück immer noch findet, 4.-7-Jh.
https://www.metmuseum.org/art/collection/search/443615

Leather Shoe with Gilded Decoration, Leather; gilded

Über Mitmenschlichkeit

Disclaimer/Vorwort: Die folgenden Absätze haben wenig mit Reenactment zu tun, gleichzeitig aber doch wieder sehr viel. Immer wieder läuft uns, gerade im geschichtlichen Bereich, rechtes, rassistisches Gedankengut über den Weg. Und natürlich beeinflusst das auch unser Spiel. Wie geht man damit um? Ein Weg kann “Nazis schlagen” sein. Entsprechende Clips werden immer wieder zirkuliert. Es ist nicht mein Weg.

Ich persönlich bin dagegen, Menschen zu verletzen oder lächerlich zu machen. Ja, das schließt Menschen ein, die meine Ansichten nicht teilen. Ich verstehe, wenn das nicht jedermanns Ansicht ist. Ich verstehe, wenn es schwer zu verstehen ist.

Rassisten, Nazis etc. aufzeigen, ihre Fehler sichtbar machen (sie im Idealfall dazu bringen, diese Fehler zu erkennen) und sie mit ihren eigenen Waffen, Sprüchen, mit Fakten, Daten und ihrer Propaganda zu schlagen – das ist mein Weg. Aber nichts darüber hinaus. Keine künstliche Übertreibung, keine Schikane, keine Gewalt. “Wenn ich diesen Weg gehe, bin ich nicht besser als die, die ich ablehne” sage ich gemeinhin. Oder, wie ein guter Freund von mir zitiert “Die Denkweise eines Menschen erkennt man an den Mitteln die er benutzt.”

Ist das gerechtfertigt? Ein kleiner Ausflug in die Philosophie (mit Dank an den Guardian).
Seit Jahrtausenden streiten Menschen über die Frage, was “gut” und “schlecht” ist. Wie definiert man das?

Ein Weg wäre, Regeln aufzustellen. Könnten wir eine Regel aufstellen, die wir überall und konsequent anwenden wollen? “Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“? Wenn eine Regel es wert ist, befolgt zu werden, wird sie “gut”. Wir sind uns also, denke ich, einig, dass “Gewalt ist schlecht” eine moralische “gute” Regel ist: Sie kann universell angewendet werden.
Was ist nun aber, wenn eine weitere “gute” Regel ist “Den Nazismus zu stoppen ist gut“? Heißt dann der Umkehrschluss: “Gewalt ist schlecht, außer wenn sie Nazismus stoppen kann“? Und wohin führt das? Wenn “den Nazismus stoppen” extreme Gewalt bedeutet, dann ist extreme Gewalt nach dieser Regel gerechtfertigt. Und widerspricht unserer anderen Regel “Gewalt ist schlecht“. Sie ist nicht mehr universell anwendbar.

Versuchen wir einen anderen philosophischen Ansatz: “Wenn eine Handlung mehr Glück in die Welt bringt, dann ist diese Handlung gut.” Wenn das Schlagen eines Nazis bedeutet, den Nazismus zu verhindern, dann ist das Schlagen von Nazis gerechtfertigt. Der Zweck heiligt die Mittel.
Damit wird aber jede Handlung gerechtfertigt, wenn sie nur zu “mehr Gutem” führt. Wenn das Töten eines Unschuldigen bedeutet, Hunderte zu retten, dann ist Mord gerechtfertigt.
Wenn also in diesem Rahmen “gute” Handlungen gerechtfertigt sind, aber eben auch “schlechte”, macht es dieses Moralsystem nutzlos.

In einem gesellschaftlichen Klima, das rassistische Überzeugungen hervorbringt und akzeptiert, werden über kurz oder lang entsprechende Handlungen normalisiert und vor allem: vollzogen. Das kann man denke ich heute fast überall auf der Welt sehen; mein bestes Beispiel dafür wäre der Mord an Walter Lübcke, aber es gibt noch viele mehr. Ein derartiges Klima will denke ich niemand. Also, ich zumindest nicht.
Aber: Es geht nicht darum, Rassisten zu zensieren, sondern darum, ob wir wollen, dass sie sich in unserer Gesellschaft wohl fühlen beim Verbreiten ihrer Meinung.

Kann man daraus eine Regel machen? “Es ist gut, höflich und freundlich zu Menschen zu sein. Außer gegenüber Menschen, die verschiedene Rassen ausrotten wollen.”
So weit, so gut. Jedoch: Diese Regel rechtfertigt keine Gewalt. Sie besagt, dass diese Menschen nicht den gleichen Respekt verdienen, den ich anderen entgegenbringen würde.
Es ist aber ein Unterschied, ob man ein Verhalten, das man allen anderen gegenüber an den Tag legt, negiert und sagt “Sei nicht nett zu Nazis” oder zu einer aktiven Handlung aufruft: “Schlage Nazis”.

Ich persönlich möchte, dass niemals Gewalt angewendet wird, auch nicht im Namen des Schaffens einer “Nicht-Willkommenskultur”. Schläge und körperliche Schmerzen werden rassistische Ansichten nicht ausmerzen. Im Gegenteil. Ja, es kann die Äußerung solcher Ansichten weniger angenehm machen, die Menschen und ihre Meinung in den Hintergrund/Untergrund drängen. Um welchen Preis?

Ich kann verstehen, dass es Leute gibt, die meiner Argumentation hier nicht folgen.
Aber: dies sind meine persönlichen Grundwerte zum Thema Mitmenschlichkeit. Und für mich ist das Credo “Keine Gewalt” höher aufgehängt als andere moralische Regeln.

Leben in Bildern

Weil es so schön war, habe ich gestern für unseren Besuch die Apicius Rezepte gleich nochmal nachgekocht. #mySCA #roman #romanrecipes #reenactment #lebendigegeschichte
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Brot und Milch (“french” toast)

Apicius: De Re Coquinaria, Buch VII, XIII Home-made sweets, 3. Aliter dulcia

XI. DVLCIA DOMESTICA ET MELCAE
(keine Ahnung, warum sich die Nummerierungen von LacusCurtius und der Augustana unterscheiden)

3. Aliter dulcia: siligineos rasos frangis, et buccellas maiores facies. in lacte infundis, frigis [et] in oleo, mel superfundis et inferes.

Andere Süßigkeiten: rasierter Roggen (wohl Weizen) (Pause?Absturz?), etwas größere Bissen. In Milch einlegen, braten in Öl, Honig darüber und auf den Teller.

Von Ei (ovum) ist hier interessanterweise im Original überhaupt nicht Rede. LacusCurtius übersetzt dennoch: Break slice fine white bread, crust removed, into rather large pieces which soak in milk and beaten eggs fry in oil, cover with honey and serve.

  • 3 Eier
  • 200 ml Milch
    (Ich frage mich, ob es sinnvoll sein könnte, Sahne auszuprobieren, nachdem es H-Milch wohl eher nicht im römischen Reich gab. Dann könnte es auch mit dem Anbraten ohne Eier funktionieren?)
  • 6 Scheiben Toastbrot
  • Honig, Mohn, Zimt

Eier und Milch verquirlen, Toast kurz (!) darin wenden (das Brot sollte gut getränkt sein, aber nicht auseinander fallen), in Öl von beiden Seiten anbraten. Servieren mit Honig. Und in meinem Fall mit Mohn, weil der weg musste, und Zimt, weil es den schon gab im römischen Reich.

Aus der restlichen Eiermilch habe ich kurzerhand Rührei gemacht – man muss ja nichts umkommen lassen.